Bundesverdienstkreuz am Bande für Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese

„Keiner konnte mehr kommen und sagen: Es hat keine Gaskammern gegeben.“ (Gerhard Wiese)

 

Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz Heiko Maas hat am 14. November 2017 an Oberstaatsanwalt a. D. Gerhard Wiese das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Als junger Staatsanwalt wirkte Wiese maßgeblich an der Formulierung der Anklageschriften im Auschwitz-Prozess mit und hielt die Plädoyers gegen zwei der skrupellosesten Täter.

In den Jahren zwischen 1963 und 1965 wurden vor dem Landgericht Frankfurt am Main unter der Leitung von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die „Auschwitz-Prozesse“ geführt. Erstmalig wurden die Täter für ihre Gräueltaten im Konzentrationslager Auschwitz strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. 24 Täter wurden angeklagt, 356 Zeugen wurden angehört, darunter 211 ehemalige Insassen, die das ganze Ausmaß der Grausamkeit in den Lagern einer entsetzten Weltöffentlichkeit präsentierten. Die Opfer bekamen durch den Strafprozess endlich eine Stimme. Mit den Protokollen dieser Vernehmungen wurden zeithistorische Dokumente von unschätzbarem Wert geschaffen. Fritz Bauer und sein Team mussten sich in der von Vertuschen und Vergessen geprägten Wirtschaftswunderzeit gegen erhebliche Widerstände in Justiz und Öffentlichkeit durchsetzen.

Die Wirkung dieser strafrechtlichen Aufarbeitung ist politisch und historisch von allergrößtem Gewicht. Dazu Gerhard Wiese: „Keiner konnte mehr kommen und sagen: Es hat keine Gaskammern gegeben.“

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Justizdienst ist Wiese ein unermüdlicher Kämpfer gegen das NS-Unrecht. Er steht Schülern und Studierenden als Zeitzeuge Rede und Antwort.

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