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Der Muttertag ist keine Erfindung der Nazis. Feiert also weiter!

Autobahn, Arbeitslose, Tierschutz, Muttertag – war nicht alles schlecht, was die Nazis machten? Die Antwort ist ganz einfach und ein Abschied von Klischees.

Neulich erreichte uns völlig überraschend eine Mail des bekannten deutschen Feuilletonisten und Bloggers Henryk M. Broder, der uns fragte, ob wir nun für die „…Abschaffung sozialer Regelungen, die im dritten Reich eingeführt wurden, zum Beispiel die steuerliche Begünstigung von kinderreichen Familien, den sozialen Wohnungsbau, das Tierschutzgesetz und das Naturschutzgesetz“ seien?

Da waren wir ganz schön verwirrt. Nahezu wortgleiche E-Mails erreichten uns bisher nur von Anhängern der AFD, NPD und heimatlos umherirrenden Rechten, die sich nach reichsdeutscher Nestwärme sehnen und auf der Beschleunigungsspur bei der Autobahnauffahrt immer eine kleine Träne stiller Verehrung und wehmütiger Sehnsucht wegdrücken. Ja kann denn alles schlecht gewesen sein, was damals staatliches Handeln, Recht und Gesetz ausmachte? Autobahn und Familiengeld, Wohnraum für alle, ein Herz für Tiere und die deutsche Eiche?

Broder ist ein geübter Kampfschwimmer gegen den Strom, das Messer zwischen den Zähnen, die Arme immer frei. Er ist eine Spielart des von Camus glänzend beschriebenen glücklichen Sisyphos, der in seiner nicht enden wollenden Aufgabe aufgeht. Der Mainstream ist Broders publizistischer Energielieferant, der von ihm erzeugte Gegenstrom seine Bestimmung, der öffentliche Widerspruch die geistige Kraftquelle. Broders gedankliche Volten sind artistisch, seine wortgewaltigen Tiraden legendär. Henryk M. Broder verwaltet argwöhnisch und eifersüchtig sein Geschäft – ein mehrdimensional streuendes Schimpfmonopol. Kurz: Ich und meine Mitstreiter von der „Initiative nazifreies Recht“ mögen Hendryk M. Broder.

Umso wichtiger ist eine Klarstellung. Unsere Initiative „Naizifreies Recht“ bedeutet auch, dass Normen und Gesetze, die fälschlicherweise den Nazis aufs Konto gebucht werden, mit ihren tieferen Wurzeln und zeitlichen Bedingungen freigelegt werden.

Daher aus diesem Anlass ganz knapp aufgeschrieben – die größten Irrtümer über angebliche Errungenschaften der Nazis:

Autobahn

Wer wusste, dass nicht Hitler, sondern mit weiteren Beteiligten Konrad Adenauer die erste Autobahn bauen ließ, und zwar zwischen Köln und Bonn? Eröffnungstag der Strecke war der 6. August 1932. Da waren die Nazis noch gar nicht an der Macht. Fritz Todt, Hitlers frisch eingesetzter Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen baute darauf auf.

Arbeitslosigkeit

Die ewige Legende! Hitlers Arbeitsbeschaffungsprogramm war ein riesiger Bluff und hat nur auf Pump funktioniert. Das Wort Wirtschaftspolitik ist viel zu groß für diese plumpe Täuschung. Nur der Weltkrieg verhinderte dann die sichere Staatspleite.

Tierschutz

Tierquälerei war schon seit 1871 strafbar (§ 360 RStGB). Doch die Nazis nutzten die Tierliebe zu ihren ideologischen Zwecken. Der (phänotypisch wolfsähnliche) deutsche Schäferhund war die perfekte Verkörperung eines Rassehundes von deutscher Art.

1. Mai

Dieser Tag wurde von den Nazis in einem strategischen Schachzug zum Feiertag befördert, um die Abschaffung der freien Gewerkschaften zu kaschieren und die traditionell linken Arbeitermassen für die Sache des Nationalsozialismus zu gewinnen.

Jagdrecht

Reichsjägermeister Hermann Göring ist der Urheber des bis heute weitgehend unverändert gültigen deutschen Jagdrechts. Der angeblich von den Nazis so intensiv betriebene Tierschutz rangiert hier klar hinter den Ansprüchen der Grünröcke und ihres Waidwerks: Zitat: „Im Rahmen einer waidgerechten Jagdausübung müssen Schmerzen, Leiden und Unbill des Tieres hingenommen werden.“ Darauf einen Kräuterlikör!

Muttertag

Er‬ wurde von Frauenrechtlerinnen in den USA und England ersonnen, dann von Floristen propagiert und von den Nazis erstmals am 3. Maisonntag 1934 als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ gefeiert. Definitiv keine Nazi-Erfindung. Linksliberale und Antifaschisten dürfen also getrost weiterfeiern.

Zu diesem Thema gibt es übrigens ein interessantes Buch: Autobahn zum Mutterkreuz

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